Biographie

1. Meine erste Begegnung mit Nahtoderfahrungen (NTEs)

Erfahrungen rund um den Tod – Nahtoderfahrungen (NTEs), Nachtod-Kontakte (NTK) und Sterbevisionen – geben Stoff zum Nachdenken für ein ganzes Leben und darüber hinaus. Zumindest trifft das für mich zu. Das Abenteuer begann vor mehr als dreißig Jahren mit meiner Entdeckung von Nahtoderfahrungen.

Meine erste Begegnung mit dem Phänomen der Nahtoderfahrung ereignete sich in den Achtziger Jahren und sollte sowohl hinsichtlich meiner Überzeugungen als auch meiner Tätigkeiten entscheidend sein. Wie Millionen anderer Leser auf der Welt kam auch ich mit den NTEs erstmals durch Raymond Moodys Buch Leben nach dem Tod (1979) in Berührung. Mir war sofort klar, dass die Berichte der Nahtoderfahrenen viele meiner grundlegenden Fragen beantworteten, während sich mir dadurch mindestens ebenso viele neue Fragen stellten. Die Beschreibungen dieser anderen Welt, welche eigenartigerweise der unsrigen ähnelt, wenngleich sie völlig unser Vorstellungsvermögen übersteigt, führten mich zu der Annahme, dass man diesem faszinierenden Phänomen nicht gerecht werden würde, wenn man es eins zu eins übernehmen würde. Die darauf folgenden Jahre sollten mir Recht geben: je mehr man sich mit NTEs beschäftigt, desto stärker tritt ihre Komplexität zu Tage.

Heute bin ich davon überzeugt, dass es falsch wäre, diese Vorstellungen allzu wörtlich zu nehmen. Ich denke, dass ein im Sterben begriffener Mensch sich in einer Dimension befindet, die sich ihm auf eine Weise zeigt, die er verstehen kann, da sie von Natur aus für den menschlichen Geist nicht verständlich ist.

In den Achtziger Jahren fand man Bücher mit Berichten von Betroffenen und auch schon einige wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema, aber was mir fehlte, um meinen Überlegungen weiter nach zu gehen, war ein interdisziplinärer Ansatz: Was mochte wohl ein Quantenphysiker, ein Philosoph oder ein Biologe über NTEs denken? Da ich kein solches Werk finden konnte, beschloss ich, das Buch, das ich lesen wollte, selbst zu schreiben. Erfahrungen an der Schwelle des Todes, zuerst 1995 in der deutschen Ausgabe erschienen und in der Folge in sechs Sprachen übersetzt, ist eine Sammlung von Gesprächen mit Universitätsprofessoren unterschiedlicher Fachrichtungen, welcher eine detaillierte Beschreibung des Phänomens der NTE und ihrer Auswirkungen vorangeht.

Meine Begegnungen

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Ken und Evelyn

Meine erste Begegnung im Jahre 1992 mit Kenneth Ring – amerikanischer Psychologieprofessor Emeritus und eine internationale Kapazität auf dem Gebiet der NTE-Forschung – war in vielerlei Hinsicht wegweisend. Großherzig empfing er mich in seinem Haus in der Nähe der Universität von Connecticut, USA, wo er unterrichtete, um das längste Interview seiner langen akademischen Karriere zu geben, wie er mit dem Humor betonte, der ihn charakterisiert. In der Tat konnte ich bei unserer Unterredung, die einen ganzen Tag lang dauerte, einen vollständigen Überblick über seine zahlreichen Untersuchungen und Forschungen gewinnen und seine persönlichen Schlussfolgerungen und innersten Überzeugungen herausfiltern, die in Erfahrungen an der Schwelle des Todes veröffentlicht wurden.

An diesem sonnigen Tag ist eine tiefe Freundschaft entstanden, der selbst Zeit und weite Entfernungen nichts anhaben konnten, sowie eine fruchtbare Zusammenarbeit, die in der gemeinsamen Verfassung von Im Angesicht des Lichts: Was wir aus Nah-Tod-Erfahrungen für das Leben gewinnen ihren Höhepunkt fand. Das Buch wurde in zehn Sprachen veröffentlicht.

2. « Engelchens Land »

Ich habe einen Roman, oder, einfacher ausgedrückt, eine Geschichte geschrieben mit dem Titel Engelchens Land in der Absicht und mit dem Wunsch, die aktuellen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet der NTEs den Menschen zugänglich zu machen, die mit einer schweren Lebenskrise konfrontiert werden. Das Buch erschien zuerst im Jahr 2009 in französischer Sprache (Les Presses du Midi) und wurde in der Folge in zehn Sprachen veröffentlicht.

Die neuen Perspektiven, die uns die NTEs eröffnen, eine sanftere Vorstellung vom körperlichen Tod, die sie nahe legen, die Hoffnung, die sie über die bekannten Grenzen hinaus schaffen, sollen – falls erwünscht – Kranken, Sterbenden oder Trauernden, oder noch allgemeiner gehalten, allen Menschen zur Verfügung stehen, die für die Endlichkeit des menschlichen Schicksals empfänglich und bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen.

Vorwort von Kenneth Ring:

„Platon, der bedeutende griechische Philosoph, vermittelte uns, dass der einzige Sinn der Philosophie – seiner Dialektik – darin besteht, uns auf den Tod vorzubereiten.

Seiner Meinung nach gibt es nichts Wichtigeres – und in den mehr als zweitausend Jahren, die seit seinen Lebzeiten vergangen sind, ist ja auch nichts geschehen, das uns etwas anderes vermuten ließe. Der Tod, und was auch immer ihm folgen mag, falls überhaupt irgendetwas, ist immer noch dieses große und anscheinend unergründliche Unbekannte – der bloße Gedanke daran jagt uns Menschen immer noch größte Angst ein. Und um wie viel größer muss die Angst erst für jemanden sein, dem der Abstieg in die große Leere, ins Nichts, den Tod, tatsächlich unmittelbar bevorsteht? Wie kann man sich denn überhaupt auf das Ende von allem „vorbereiten“?

Natürlich vermachte Platon uns seine Dialoge in der Absicht, uns bei dieser Bewusstwerdung zu helfen, und Evelyn Elsaesser-Valarino, die Autorin dieses emotional fesselnden Buches, hat uns nun, dieser Tradition folgend, etwas geboten, das in der Tat ein Monolog zu genau diesem Thema ist.

So wie bei Platons Werken die Lebendigkeit der Dialoge zwischen Sokrates und seinen Gesprächspartnern für die Faszination der Leserinnen und Leser sorgt, so hat auch Evelyn sich eines literarischen Kunstgriffs bedient, der uns von den ersten Zeilen an in seinen Bann zieht: Sie hat ein Buch geschrieben, das auf den ersten Blick ein Roman, oder man könnte vielleicht etwas bescheidener sagen, „bloß eine Geschichte“ zu sein scheint, aber in Wirklichkeit handelt es sich dabei um etwas ganz anderes. Aber was genau dieses „etwas“ ist und welches Ziel damit verfolgt wird, das zu erklären ist meine Aufgabe in diesem Vorwort.

Zunächst scheint Engelchens Land, in der Ichform erzählt, die Geschichte eines jungen Mädchens zu sein, das schwer krank wird. Aber nicht, dass Sie jetzt, vielleicht auch durch den Titel in die Irre geleitet, einen falschen Eindruck gewinnen und denken, dass dieses Buch nur ein weiteres dieser üblichen sentimentalen Werke sei, die einzig und allein darauf abzielen, die Leserinnen und Leser zu Tränen zu rühren. Oder etwa, dass es in diesem Buch um übernatürliche Erscheinungen von Engelwesen geht, die inspirierende Botschaften überbringen, um uns spirituell zu erheben und uns schalen Trost zu bescheren.

Nein – hier geschieht etwas völlig anderes, während wir unsere namenlose Heldin auf ihrer Reise durch die Stadien ihrer Krankheit begleiten – einer Reise, bei der wir unterwegs plötzlich feststellen, dass ihr Weg dank des literarischen Geschicks und des psychologischen Wissens der Autorin auch zu unserem eigenen wird.

Wir finden wir uns von Anfang an, schon mit dem ersten Satz, in den Gedanken der Erzählerin wieder, einem jungen Mädchen. Vom ersten Augenblick an reißt uns das Drama seiner Krankheit mit. Wir tauchen immer tiefer ein in die Geisteswelt dieses Mädchens, in seine Gedanken und Gefühle, während seine Krankheit voranschreitet. Es ist so, als ob wir zum Tagebuch des Mädchens würden – es schreibt uns und vertraut uns dabei seine geheimsten Gedanken an. Es zieht uns hinein in seine Krankheit und die damit verbundenen Höhen und Tiefen. Wir werden plötzlich seine Reisegefährten und mit ihm und mit den Menschen in seinem Leben innig vertraut und verbunden. Ja, seine Qual wird zu unserer eigenen Qual – aber so machen wir uns auch all die Dinge zu eigen, die es lernt und begreift, während es kämpft, um das, was ihm da zugestoßen ist, zu verstehen und sich damit abzufinden. Und wie wir feststellen, sind diese Einsichten, dieses Wissen, das es da erlangt, die wichtigsten Botschaften. Das ist es, wovon dieses Buch wirklich handelt und was es uns vermitteln soll.

Jeder von uns könnte dieses junge Mädchen sein – deshalb hat es keinen Namen bekommen und deshalb wissen wir auch so wenig von ihm, nicht einmal ihr genaues Alter. Gleichzeitig hat es mit ihr jedoch etwas ganz Besonderes auf sich. Zu Beginn der Handlung scheint es eigentlich ein ganz normales Mädchen zu sein. Aber so wie sich seine Krankheit entwickelt, so entwickelt sich auch das Mädchen selbst – in seinem Wissen, seinem Charakter. Zuletzt erlangt es einen hohen Grad spiritueller Weisheit, als es sich damit konfrontiert sieht, dass möglicherweise „alles zu Ende gehen wird“.

Kurz gesagt absolviert dieses junge Mädchen einen Schnellkurs zur Erlangung persönlicher und spiritueller Reife, so dass es uns, wenn das Buch endet, an jemanden wie Anne Frank erinnert. Auf einmal merken wir, dass wir gerade das Privileg hatten, das Tagebuch eines weiteren jungen Mädchens zu lesen, das wir nicht so schnell vergessen werden.

Während unserer eigenen Reise durch dieses Buch stellen wir nämlich plötzlich fest, dass wir es wirklich nicht mit einem Roman zu tun haben, trotz der memoirenähnlichen Form und dem vorherrschenden inneren Monolog (obwohl es auch gesprochene Dialoge darin gibt). Nein, dies ist ein Buch mit Weisheitslehren, insbesondere mit Lehren über den Tod und der Möglichkeit, dass etwas ganz Existenzielles den Tod transzendiert, etwas, das sein Licht auf die Lebenden zurückwerfen und diese damit verwandeln kann. Also ist auch Engelchens Land, wie die Dialoge eines Platon, im Grunde ein Bewusstsein erweiterndes philosophisches Unterfangen, bei dem es um eines der großen, ewigen Themen geht – aber betrachtet aus einer völlig neuen, unserer Zeit entsprechenden Perspektive.

In den letzten zwanzig Jahren hat sich im Leben von Evelyn Elsaesser-Valarino vieles um das Phänomen der Nahtoderfahrung gedreht und sie ist mittlerweile eine international anerkannte Autorität in dieser Fachrichtung. Durch ihre bisher veröffentlichen Bücher und ihre zahlreichen Vorträge zählt sie zum Kreis der führenden Experten Europas auf diesem Gebiet.

Es ist also nicht überraschend, dass es die Perspektive der Nahtoderfahrung ist, die dieses Buch beherrscht – und das Leben der erzählenden Person (obwohl dies in einer unerwarteten Art und Weise geschieht). Aber was Evelyn hier präsentiert, unterscheidet sich völlig von allem, was sie bisher veröffentlicht hat.

Ihr erstes Buch zu diesem Thema, Erfahrungen an der Schwelle des Todes:  Wissenschaftler äussern sich zur Nahtodeserfahrung war eine mehr wissenschaftliche und durchgängig intellektuell sehr anspruchsvolle Abhandlung, in der sie hauptsächlich Interviews mit verschiedenen Fachleuten unterschiedlichster Wissensgebiete veröffentlicht hat, in denen diese das Phänomen der Nahtoderfahrungen aus der jeweiligen Perspektive ihrer Fachdisziplin kommentierten.

In ihrem nächsten Buch, Was wir aus Nahtoderfahrungen für das Leben gewinnen: der Lebensrückblick als ultimatives Lerninstrument, bei dem sie mit mir zusammengearbeitet hat, ging es in erster Linie darum, was interessierte Leserinnen und Leser aus Nahtoderfahrungen lernen können, so dass sie in der Lage sind, diese Einsichten in ihrem eigenen Leben umzusetzen. In Engelchens Land hingegen verlässt Evelyn völlig die Welt der Wissenschaftler, um eine herzergreifend schöne Geschichte zu erzählen, die ihr auf der Seele brennt und zu der man einen persönlichen Bezug herstellen und aus der man lernen kann.

Jeder, auch ein Jugendlicher oder ein älteres Kind, kann sie verstehen.

Es ist die besondere Leistung dieses Buches, dass den Leserinnen und Lesern darin wirklich all die wesentlichen Dinge vermittelt werden, die uns die Nahtoderfahrungen lehren, zum Beispiel, was der Tod in Wirklichkeit ist und wie aus diesem Verstehen heraus das Leben gelebt werden sollte, so dass wir alle diese Einsichten übernehmen und uns davon verwandeln lassen können.

Was uns schließlich zu der Frage führt, an welche Zielgruppe sich dieses Buch eigentlich wendet und wie man es am besten nutzt.

Nach all dem, was ich hier geschrieben habe, ist es offensichtlich, dass dies kein „Kinder- und Jugendbuch“ ist und genau so wenig speziell für Teenager und junge Erwachsene gedacht ist – obwohl natürlich LeserInnen all dieser Altersgruppen sehr wohl davon profitieren können. Es ist auch nicht eigens für junge Menschen geschrieben, die krank sind oder gar den Tod vor Augen haben – obwohl auch hier wieder gilt, dass diese Menschen ebenfalls eine offensichtliche Leserschaft für ein Buch dieser Art darstellen. Gleichwohl könnte man es den Eltern schwer kranker Kinder wärmstens empfehlen, weil es die schwere Prüfung, die das Trauma einer solchen Situation mit sich bringt, so lebendig und überzeugend beschreibt – und doch ist auch diese Lesergruppe wiederum nicht unbedingt diejenige, die den größten Nutzen aus diesem Buch zieht.

Ich denke, Sie sehen schon, worauf ich mit diesen Sätzen hinaus will. Dieses Buch ist eben nicht für eine bestimmte Art von Menschen geschrieben und auch nicht für solche, die sich in einer besonderen, herausfordernden Situation befinden. Wir sind alle sterblich und wir alle hängen am Leben. Für uns alle gelten dieselben Bedingungen und wir alle haben dasselbe Schicksal.

Dieses Buch ist für alle, die sich von dem kalten Griff des Todes frei machen wollen! Dieses Buch handelt von Befreiung – und wie man sie erlangt. Gibt es irgendjemanden, der sich dafür nicht interessieren würde?

Der Stil dieses Buches ist nicht belehrend, obwohl viele gute Lehren darin enthalten sind. Er ist hingegen erfahrungsbezogen. Sie lernen durch Identifizierung, durch die natürliche Kraft des Mitfühlens. Die Geschichte wird Sie tragen: Alles, was Sie machen müssen, ist sich selbst zu erlauben, sich auf den Handlungsrahmen der Erzählerin einzulassen – und gemeinsam werden Sie beide das Notwendige vollbringen.

Die Erzählerin ist dann keine fiktive, ausgedachte Person mehr, sondern sie wird zu … DIR!

Wenn Du das zulässt, dann wirst Du zu Dir selbst – und Deinen Weg nach Hause finden!“

3. Meine Zusammenarbeit mit INREES

Meine Begegnung mit Stéphane Allix, Gründer und Präsident von INREES (Institut de recherche sur les expériences extraordinaires = Forschungsinstitut für außergewöhnliche Erfahrungen),  die nun schon 15 Jahre zurückliegt, war ebenfalls von Bedeutung für meine Arbeit auf dem Gebiet der Erfahrungen rund um den Tod. Unsere Zusammenarbeit begann mit der Gründung von INREES im Jahr 2007, als ich meine Rolle als wissenschaftliche Beraterin übernahm.

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INREES veröffentlicht die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift Inexploré, organisiert große Konferenzen, betreibt einen Internetinformationsraum zum Thema Aussergewöhnliche Erfahrungen, veröffentlicht Bücher und produziert Dokumentarfilme.

Gestützt auf Psychologie, Spiritualität und Wissenschaft schlägt INREES vor, das Außergewöhnliche neu zu betrachten. Weil wir in einer Zeit leben in welcher sich neue Wissensgebiete eröffnen, bietet INREES ein seriöses Rahmenwerk an um über Wissenschaft und Spiritualität, sowie über die neuesten Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Bewusstseinsforschung, zu debattieren. Die Themen Tod und Nach-Tod sind Schwerpunkte in den Tätigkeiten vom Institut. INREES bemüht sich darum auf eine wissenschaftliche und rigorose Weise Brücken zu schlagen zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt – ohne Tabu, ohne Vorurteile, mit wissenschaftlicher Ehrlichkeit und Offenheit.

Meine Bewertung von INREES

Im Jahr 2012 schrieb ich eine kurze Bewertung die auf der INREES-Website veröffentlicht wurde:

„Der integrative und interdisziplinäre Ansatz von INREES ist Teil der ganzheitlichen Bewegung, die ohne Zweifel der einzig mögliche Ansatz zum Verständnis komplexer Phänomene ist. Wenn man von der Prämisse ausgeht, dass all die außergewöhnlichen Erfahrungen, die sich mit zunehmender Dringlichkeit zu manifestieren scheinen, ihren Ursprung in derselben zugrunde liegenden Realität haben, dann können sie nicht getrennt voneinander verstanden werden. Besonders die außergewöhnlichen Erfahrungen rund um den Tod (Nahtoderfahrungen, Sterbevisionen, Nachtod-Kontakte) eröffnen faszinierende Horizonte. INREES hat das große Verdienst, alle diese Erfahrungen in Beziehung zu setzen und sie auf eine globale Art und Weise zu analysieren, mit dem letztendlichen Ziel, das Geheimnis des Menschseins besser zu verstehen. Ich freue mich, INREES als Mitglied des Wissenschaftlichen Ausschusses und Ehrenmitglied tatkräftig zu unterstützen“.

4. « Klinisches Handbuch der ausserordentlichen Erfahrungen »

Nahtoderfahrungen (NTE),  Nachtod-Kontakte (NTK), Außerkörperliche Erfahrungen (AKE), luzide Träume, schamanische Erlebnisse, psycho-spirituelle Erfahrungen, Außersinnliche Wahrnehmungen (ASW)… handelt es sich dabei um Interpretationen? Glauben/Irrglauben? Halluzinationen? Wirklichkeit?

Außergewöhnliche Erfahrungen führen uns in eine Grenzzone des menschlichen Geistes, in einen Raum, in dem es leicht ist, die Orientierung zu verlieren. Sie führen zu zwei gegensätzlicher Reaktionen: Ablehnung oder Faszination. Es ist jedoch notwendig, Abstand zu nehmen, um uns nicht in unseren persönlichen Überzeugungen, in Überzeugungen anderer, oder gar opportunistischer Gruppierungen, zu verlieren. Das Klinische Handbuch der ausserordentlichen Erfahrungen bietet zum ersten Mal diese Distanzierung an. Das Buch ist für Mediziner, Psychologen, und Psychotherapeuten gedacht, aber auch für die breite Öffentlichkeit, eigentlich für jedermann der entdecken will, was ernsthafte wissenschaftliche Forschung und klinische Untersuchungen zu diesen Erfahrungen beizutragen haben. Das Klinische Handbuch der ausserordentlichen Erfahrungen  wurde unter der Leitung von Stéphane Allix und Paul Bernstein veröffentlicht (InterEditions/INREES, 2009, 411 Seiten). www.inrees.com

Mein Beitrag zum Klinischen Handbuch der ausserordentlichen Erfahrungen

Ich hatte das Vergnügen, drei der elf Kapitel des  Klinischen Handbuchs der ausserordentlichen Erfahrungen zu verfassen.

  • Kapitel 3: Nahtoderfahrungen (NTEs)
  • Kapitel 4: Todesbewusstsein
  • Kapitel 5: Nachtod-Kontakte (NTK)

 

5. Übersetzung von « Trost aus dem Jenseits »

Bill und Judy Guggenheim haben die spontanen und direkten Nachtod-Kontakte zuerst den Nordamerikanern und anschliessend den Europäern vorgestellt mit ihrem Bestseller Trost aus dem Jenseits: Unerwartete Begegnungen mit Verstorbenen (Originaltitel: Hello from Heaven: A New Field of Research – After-Death Communication Confirms That Life and Love Are Eternal). Das Buch wurde in 17 Sprachen übersetzt.

Ich hatte schon seit viele Jahren E-Mail Kontakt mit Bill Guggenheim, als wir uns 2006 endlich persönlich auf der Internationalen IANDS Konferenz (International Association for Near-Death Studies) in Houston, USA, trafen. Da ich mich schon seit einiger Zeit für spontane und direkte Nachtod-Kontakte interessierte habe ich mich zur Verfügung gestellt, Hello from Heaven auf Französisch zu übersetzen und eine Einleitung zu schreiben.

Das Buch wurde 2011 vom französischen Verlag Exergue/Le Courrier du Livre (Gruppe Guy Trédaniel) unter dem Titel Des Nouvelles de l’Au-delà veröffentlicht. Bevor ich mich in die Übersetzung hineinkniete war mir nicht völlig bewusst, wie viel Zeit und Mühe für die Übersetzung der 432 Seiten benötigt wird! Jedoch habe ich meine Entscheidung nie bereut, weil meine Übersetzungsarbeit der 353 Zeugenberichte welche im Buch enthalten sind meine Tätigkeiten auf eine neue Bahn leitete…

6. « Quand les défunts viennent à nous »

Die Übersetzung von Trost aus dem Jenseits festigte mein bereits bestehendes Interesse an spontanen und direkten Nachtod-Kontakten, die anscheinend von Verstorbenen initiiert werden. Worum handelt es sich dabei genau? Wer erlebt diese Nachtod-Kontakte? Unter welchen Umständen treten sie auf? Was „kommunizieren“ die Verstorbenen? Was ist der Sinn und die Bedeutung dieser Erfahrungen? Wie reagieren die betroffenen Menschen auf diese Kontakte? Sind sie überrascht? Verängstigt? Erfreut? Aus der Fassung gebracht durch die Tatsache, etwas zu erleben, das völlig unmöglich zu sein scheint? Welchen Einfluss haben diese Erfahrungen auf die Menschen, die sie erleben? Auf den Trauerprozess? Auf ihre Vorstellungen von einem möglichen Überleben des Bewusstseins nach dem physischen Tod?

All diese Fragen haben meine Neugier geweckt. Ich beschloss, dieses Phänomen genauer zu untersuchen und ein Buch darüber zu schreiben.

Als ich das Kapitel über Nachtod-Kontakte für das Klinische Handbuch der ausserordentlichen Erfahrungen verfasste waren diese Erfahrungen in den französischsprachigen Ländern so wenig bekannt, dass es uns oblag, dieses Phänomen zu benennen. Wir hätten uns für den Ausdruck „Kommunikation/Kontakt mit einem Verstorbenen“ in Anlehnung an den englischen Ausdruck After Death Communication entscheiden können, haben uns aber für eine subtilere Bezeichnung entschieden – nämlich für Subjektive Erfahrung des Kontaktes mit einem Verstorbenen (Vécu subjectif de contact avec un défunt, kurz VSCD). Wir haben uns somit dafür entschieden, den subjektiven Aspekt dieser Erfahrung zu betonen.

Somit war ich im Besitz von einer Bezeichnung für das Phänomen und von Zeugenberichten. In der Tat, im Jahr 2013 hatte ich einen Artikel mit dem Titel VSCD, Hallucination ou dernière communication? in Inexploré – der Zeitschrift von INREES – veröffenticht, welcher einen Aufruf für Zeugenberichte enthielt. Und tatsächlich erhielt ich zahlreiche Berichte, welche den Kern meines Buches Quand les défunts viennent à nous bilden. Der zweite Teil des Buches enthält meine Analysen des Phänomens und Gespräche mit renommierten Wissenschaftlern, die eine vertiefte Reflexion über die Natur und die Folgen von Nachtod-Kontakten, insbesondere für den Trauerprozess, anbieten.

Im letzten Teil des Buches stelle ich die Nachtod-Kontakte in den breiteren Zusammenhang anderer Erfahrungen rund dem Tod und ziehe Parallelen zu Nahtoderfahrungen, Sterbevisionen und Kommunikationen von Verstorbenen die von Medien empfangen werden (channeling).

 

Vorwort von Stéphane Allix

„Evelyn Elsaesser ist eine der weltweit renommiertesten Expertinnen der Erfahrungen rund um den Tod, und insbesondere jener, die in diesem Buch ausführlich beschrieben werden.

Als ich im Sommer 2003 mit meinen Untersuchungen zu diesen außergewöhnlichen Phänomenen begann, hatte mir der bekannte amerikanische Psychologe Kenneth Ring, den ich kontaktiert hatte, empfohlen, mit Evelyn Elsaesser in der Schweiz Kontakt aufzunehmen. Tatsächlich hatten beide gerade ein gemeinsames Buch veröffentlicht, das den Nahtoderfahrungen gewidmet war (Lessons from the Light = Im Angesicht des Lichts), und Kenneth Ring war voller Lob für Evelyn. Ich rief sie an und war sofort von dieser Forscherin begeistert, die es verstand, große Aufmerksamkeit und eine beachtliche Zuhörkapazität mit wissenschaftlicher Vorgehensweise zu verbinden.

Sofort entstand eine Beziehung geprägt von Achtung und Freundschaft zwischen Evelyn und mir. Als ich einige Jahre später INREES gründete, wurde Evelyn ganz natürlich zu einer der Säulen des Instituts und zu einem aktiven Mitglied unseres wissenschaftlichen Komitees. Insbesondere hat sie eine wichtige Rolle in unseren Forschungstätigkeiten gespielt, als wir begannen, das verfügbare klinische Wissen über Nahtoderfahrungen sowie alle Arten von Berichten über Kontakte zwischen Lebenden und Verstorbenen zu sammeln. Evelyn widmete sich danach mit grosser Energie dem Schreiben von drei zentralen Kapiteln des Klinischen Handbuchs der außergewöhnlicher Erfahrungen, einschließlich des Kapitels, das Nachtod-Kontakten beschreibt, eine Bezeichnung, die von uns bei dieser Gelegenheit geprägt wurde (Vécu subjectif de contact avec un défunt, VSCD).

Diese Erfahrungen von angeblichen Kontakten mit Verstorbenen sind nicht anekdotisch. Sie kommen zu Zehntausenden um uns herum vor. Trauernde, die das Gefühl haben, mit ihren verstorbenen Angehörigen und Freunden einen Kontakt oder gar eine Kommunikation in verschiedenen Formen herzustellen, sind tief bewegt und getröstet, aber auch destabilisiert, weil diese Erfahrung nicht zur vorherrschenden Auffassung von Wirklichkeit paßt. Quand les défunts viennent à nous gibt uns die Schlüssel, um diese Erfahrungen besser zu verstehen und in den Trauerprozess zu integrieren – dank der vielen Zeugenberichten von Nachtod-Kontakten, der fundierten Meinungen der befragten Wissenschaftler und den Überlegungen der Autorin.

Evelyn widmet einem bestimmten Typ von NTK ein Kapitel – den Visionen zum Zeitpunkt des Todes, oder Sterbevisionen – während denen Menschen an der Schwelle des Todes verstorbene Familienmitglieder oder Freunde wahrnehmen, die gekommen sind „um sie in die andere Welt zu begleiten“, und sie damit augenblicklich von der Todesangst befreien. Die Sterbenden beschrieben diese Visionen den Krankenschwestern, Ärzten und medizinischen Fachkräften welche sie sehr deutlich von bekannten halluzinatorischen Phänomenen unterscheiden.

Die Originalität und das große Verdienst dieses Buches besteht darin, die Nachtod-Kontakte in einen größeren Zusammenhang zu stellen, nämlich in denjenigen anderer Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Tod – einschließlich Nahtoderfahrungen und Mitteilungen der Verstorbenen durch Medien (channeling) – und ihre Ausdrucksweise und die übermittelten Botschaften zu vergleichen.

Unzählige Menschen haben diese Art von Erfahrungen erlebt und wagen es dennoch nicht über sie zu sprechen, nicht einmal mit Personen, die ihnen nahe stehen. Dies ist zweifellos der erste Nutzen dieser unentbehrlichen Arbeit: diese weit verbreiteten und wichtigen Erfahrungen aus dem Schatten und aus der Verleugnung heraus ans Tageslicht zu bringen. Dies ist der unglaubliche Reichtum der Arbeit von Evelyn Elsaesser.

 

Quand les défunts viennent à nous ist das Ergebnis einer langfristigen Arbeit und wahrscheinlich das am besten dokumentierte Werk, das bis heute existiert. Dieses Buch, das sowohl wissenschaftlich präzise als auch sehr angenehm zu lesen ist, macht es möglich zu erkennen, dass das Leben nach dem Tod eine rationale Hypothese ist „.

 

Warum die Thematisierung von Nachtod-Kontakten nützlich ist

Direkte und spontane Nachtod-Kontakte sind sehr verbreitet, aber dennoch abwesend im Mediendiskurs. Es wird geschätzt, dass zwischen 25 und 40% der Trauernden spontan solche Kontakte mit einem verstorbenen Familienmitgliedern oder Freunden erlebt haben. Man kann somit annehmen, dass Millionen von Europäern NTK erlebt haben und dennoch ist dieses Phänomen kaum dokumentiert und erforscht. Es gibt eindeutig eine Diskrepanz zwischen der Erfahrung vieler Menschen und deren Berücksichtigung durch die Medien und auch durch Soziologen, denn bei dieser Häufigkeit kann man von einer bedeutsamen sozialen Realität sprechen.

Der Mangel an Informationen über diese Erfahrungen führt zu zwei großen Schwierigkeiten für die Trauernden, die sie erlebt haben (die Empfänger):

– Die Schwierigkeit, diese Erfahrung in ihre Auffassung von Realität zu integrieren

– Die Schwierigkeit, diese Erfahrung mit anderen zu teilen

Die Empfänger sind von der Realität ihres Nachtod-Kontaktes überzeugt, welchen sie als eine authentische, glückliche und tröstliche Erfahrung betrachten. Im Nachhinein beginnen jedoch einige ihre Wahrnehmungen und sogar ihre psychische Gesundheit in Frage zu stellen. Die Dichotomie zwischen ihrer subjektiven Gewissheit und der aktuellen Repräsentation der Realität lässt sie denken, dass sie etwas erlebt haben, das „nicht möglich ist“, das „nicht passieren kann“. Es ist die vorherrschende Vorstellung der Wirklichkeit der westlichen materialistischen Gesellschaften, hermetisch verschlossen für spirituelle Erfahrungen, die diese Menschen in Verunsicherung stürzen. Das ist einer der Gründe weshalb es wichtig ist, die Öffentlichkeit über das Phänomen der NTK zu informieren, unabhängig von dessen ontologischen Status welcher bis heute auf der wissenscahftliche Ebene nicht geklärt ist.

Das Teilen von NTK mit anderen kann für die Empfänger ebenfalls sehr problematisch sein. Zu oft werden sie mit Skepsis, ja sogar mit Ablehnung konfrontiert. Freude kann sich schnell in Not umwandeln, wenn man nach einer Bestätigung der eigenen Erfahrung sucht und wenn man den Gesprächspartner von der Authentizität der Erfahrung überzeugen will. Andere mögen Angst vor Spott haben und ihre Erfahrung lieber verschweigen, manchmal für viele Jahre.

Wie erleichtert wären sie, wenn ihre Gesprächspartner das Phänomen der NTK bereits kennen würden und auf die Erfahrung mit voller Kenntnis des Phänomens reagieren würden, ohne notwendigerweise von der Realität dieser Erfahrungen überzeugt zu sein. Ein gemeinsames Wissen über dieses sehr häufige, aber paradoxerweise so wenig bekannte Phänomen würde eine gemeinsame Sprache schaffen, wobei jeder die Freiheit haben würde, es nach seiner eigenen Sensibilität zu begutachten.

Die Vorteile einer „Erziehung“ über die Phänomene, die um den Tod herum auftreten oder auftreten können, sind offensichtlich, nicht nur für die Empfänger von Nachtod-Kontakten und für ihre Gesprächspartner, sondern generell für uns alle, die wir uns Gedanken machen über unseren eigene Endlichkeit.

7. Aktivitäten in verschiedenen Verbänden

Ich war viele Jahre lang Koordinatorin der Schweizer Sektion des Scientific and Medical Networks (SMN), einer britischen Vereinigung, die den Dialog zwischen Wissenschaft, Medizin und Spiritualität fördert. Die SMN Zeitschrift Paradigm Explorer (früher Network Review) enthält Artikel von hohem wissenschaftlichem Wert und zählt mehrere Nobelpreisträger zu ihren Mitwirkenden.

Https://explore.scimednet.org/

Im Jahre 2014 haben wir Swiss IANDS (International Association for Near-Death Studies) mit dem Ziel gegründet, die Fachwelt und die Öffentlichkeit über die Natur und die Folgen von Nahtoderfahrungen und anderen Erfahrungen rund um den Tod, einschließlich der Nachtod-Kontakte und Sterbevisionen, zu erforschen. Wir führen Sensibilisierungskampagnen durch, organisieren und nehmen an Konferenzen teil, beraten Studierende über ihre Arbeit zu Erfahrungen rund um den Tod (Schul- oder Reifearbeiten usw.), beantworten Fragen oder Hilfsersuchen von Einzelpersonen, animieren Gruppen für Menschen, die solche Erfahrungen erlebt haben und beteiligen uns an Forschungsstudien im Rahmen unserer Verfügbarkeiten. Swiss IANDS ist Mitglied der IANDS-Dachorganisation in Durban, USA.

http://swiss-iands.ch

Außerdem bin ich seit vielen Jahren europäische Koordinatorin von IANDS USA.

8. Konferenzen

In den letzten 30 Jahren habe ich in europäischen Ländern, in den USA und in Asien viele Vorträge über Erfahrungen rund um den Tod gehalten, namentlich über Nahtoderfahrungen (NTEs), Sterbevisionen und spontane und direkte Nachtod-Kontakte (NTK). Ich präsentiere meine Vorträge in Französisch, Englisch, Deutsch und Spanisch.

Conférenz von Hong Kong